
Zugegeben, dieser Amoklauf in Emsdetten ist ein großer Skandal. Und es ist verständlich, dass nach dem Amoklauf von Erfurt vor vier Jahren das Bedürfnis dazu sehr groß ist, etwas dagegen zu unternehmen. Man möchte Rahmenbedingungen schaffen, um solche Ereignisse zu verhindern, damit es nicht wieder dazu kommt.
Aber diese Forderungen, welche viele Politiker nun äußern, sind nur hektische Kurzschlussreaktionen, welche sich jeglicher logischen Basis entbehren. Da die beiden Täter von Erfurt und Emsdetten Ballerspiele wie Counterstrike auf ihrem PC spielten, solle dies der Auslöser sein. Nehmen wir mal an, das wäre so. Wenn wir dann mal ausrechnen, wieviele deutsche Jugendliche Ballerspiele spielen, und vielleicht dies noch eingrenzen, welche davon nicht zufrieden mit ihrem Leben sind, hätten wir in den letzten 10 Jahren nicht mindestens 2000, 20000 oder mehr Amokläufe haben müssen??
Die Antwort ist: Es liegt nicht an diesen Spielen! Ich selbst stehe nicht auf solche Spiele. Aber ich habe einen gesunden Menschenverstand. Und daher ist es mir klar, dass diese Spiele niemanden zum Amokläufer machen. Es ist schon traurig genug, dass man erst darüber nachdenkt, einen Deckel auf den Brunnen zu machen, wenn das Kind reingefallen ist. Doch das kennen wir ja schon länger von den Politikern. Aber eine solche Forderung, "gewaltverherrlichende Computerspiele" in Zukunft zu verbieten, wäre, um bei dieser Metapher zu bleiben, dem zumauern des Brunnen gleichzusetzen. Sicher kann dann kein Kind mehr hereinfallen, doch es bekommt auch kein Wasser mehr, was es verdursten lässt. Und dann ist das Kind trotzdem tot. Übertragen auf unseren Fall bedeutet das, wenn diese Computerspiele verboten werden, nimmt man vielen Jugendlichen ihre Freizeitbeschäftigung. Was machen Jugendliche, die keine Freizeitbeschäftigung haben?? Sie suchen sich welche. Und viele finden sie dann in der Kriminalität, in Sekten oder in rechtsextremen Gruppen. Das dürfte nicht das Ergebnis sein, welches die Politiker ansteben.
Vielmehr sollten nicht die Symptome, sondern die Ursachen für einen solchen Ausbruch gesucht und bekämpft werden. In vielen Fällen sind die Täter Außenseiter, die Spott und Hähme durch ihre Mitmenschen ertragen mussten. Außerdem haben es weder Lehrer noch Familienmitglieder geschafft, diesen Menschen eine Perspektive, einen Sinn für ihr weiteres Leben aufzuzeigen. Robert hatte vor vier Jahren sein Zeugnis ohne Abschluss bekommen, das war der Auslöser. Der aktuelle Täter hätte sich am nächsten Tag wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht verantworten müssen. Beide haben in ihren ehemaligen Lehrern und Mitschülern die Schuldigen für ihre schlechte Lebenslage gesucht und gefunden. Wenn man es ganau nimmt, lagen sie damit nicht mal komplett falsch. Denn Lehrer haben nicht ohne Grund auch eine pädagogische Ausbildung sowie Verpflichtung. Leider nehmen viele Lehrer dies heute nicht mehr wahr, sind auch nicht dazu in der Lage. Es ist die Aufgabe von Lehrkräften, Probleme von Schülern zu erkennen, nach Ursachen zu forschen und Lösungen zu suchen. Wenn man den Eindruck hat, dass es auch familär nicht richtig funktioniert, sollten entsprechende Stellen informiert werden. Hingucken ist das Wichtigste, Wegschauen ist fatal. Dann braucht man auch nicht darüber nachdenken, den Brunnen zuzumauern....
















