Die Zeit ist fast abgelaufen. Das Ritual beginnt. Der Fernsehsender mit der genauen Uhrzeit ist eingeschaltet. Wie jedes Jahr.Die letzten 10 Sekunden werden im Chor heruntergezählt. Jeder macht mit. Pünktlich bei Null wird "Frohes neues Jahr" gerufen. Jeder stößt mit jedem an. Wie jedes Jahr.
Ein paar Telefongespräche werden erledigt, um anderen ein frohes neues Jahr zu wünschen, die nicht anwesend sind. Dann rennen alle raus, um die Knaller zu zünden und Raketen abzuschießen. Das Feuerwerk ist bombastisch, eine Pracht. Wie jedes Jahr.
Irgendwann komme ich etwas zur Ruhe, pausiere vom Knallen. Ich schaue zum Himmel hinauf. Das Schauspiel ist faszinierend. Wie jedes Jahr?? Nein.
Offenbar bin ich nicht der einzige, der seinen gesamten Vorrat, der nicht während der WM verbraucht wurde, in den Himmel schießt. Nicht wie jedes Jahr.
Ich verliere mich in Gedanken. Vor meinem geistigen Auge laufen in Lichtgeschwindigkeit die Bilder des vergangenen Jahres vorbei, während mein Blick den Himmel entlangschweift. Wehmut und leichte Deprimiertheit erfüllt mich kurzfristig. Wie jedes Jahr.
Doch etwas ist anders. Nein, vieles ist anders. Es ist nicht offensichtlich. Aber beim Blick hinter den Schein wird es offensichtlich. Die Veränderung ist sogar gewaltig. Wohin wird sie mich bringen?? Ich weiß es nicht. Das weiß man nie. Wie jedes Jahr.
Vorsätze waren früher mal relevant. Die Erfahrung lehrt mich, dass sie nur das Produkt eines unzufriedenen Gedankens sind, das durch die Endlichkeit, welche durch den Abschluss eines Jahres deutlich wird, in den Vordergrund dringt. Wenn man etwas verändern möchte, sollte man sein Ziel nicht an solch einem Zeitpunkt, sondern über einen Zeitraum hinweg anvisieren. Und so bleibt mir die Ungewissheit. Es bleibt einem nichts weiter, als die Zukunft auf sich zukommen zu lassen, mit all ihren guten und schlechten Seiten. Nur, was man selbst beeinflussen kann, darauf kann man sich konzentrieren. Und genau das werde ich machen. Wie jedes Jahr....

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